Pétanque

Der Weg zum Boule

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Petanque – Allez les bleus!

Viele von uns machten – im weitesten Sinne und wahrscheinlich unbemerkt – zum ersten Mal Bekanntschaft mit dem Phänomen Pétanque (ugs. „Boule“), als sie meist noch im Kindesalter bunte mit Wasser befüllte Plastikkugeln über heiße Sandstrände warfen und dieses, heute selbst für jene seltsam anmutende Treiben, weil an solchen Orten eben üblich, ganz selbstverständlich als "Boccia" bezeichneten. Sehr zum großen Ärgernis des Spielenden entledigte sich das damalige Spielgerät immer mal wieder seiner Füllung und war damit selbst für den minder Ambitionierten eigentlich nicht mehr für den Spielbetrieb zu gebrauchen.

Glücklichere unter uns mussten nicht durch diese harte Schule. Denn deren Eltern hatten in den Sommermonaten nichts mit kilometerlangen Sandstränden, Pasta und Gelati am Hut (vielleicht doch nicht so Glückliche?), sondern gingen in der Ferienzeit schon immer beharrlich, d. h. ohne ein den Kindern eingeräumtes Vetorecht ihren frankophilen Neigungen nach. Diese vermeintlich privilegiert aufgewachsene Urlauber-Spezies lernte das Boulespiel daher ohne Umwege von Grund auf als das kennen, was es ist.

Ein unterhaltsames, zuweilen berauschendes, mitunter diskutierbares, in jedem Fall den Charakter schulendes, aber diesen auch schonungslos offenlegendes Wurfspiel mit richtigen Kugeln. Kugeln, die nicht ihrer schrill-bunten und vor allem anonymen Verwandtschaft gleich, nach wenigen Kontakten mit des Gegners Spielgerät zu einer unspielbaren Plastikhülle mutieren, sondern Kugeln, die stählern jedem Anprall trotzen und in Bezug auf Größe, Gewicht und Aussehen individuell gestaltet, jahre-, manchmal sogar lebenslang die Einzigartigkeit ihres Besitzers unterstreichen.

Meist mehrmals wöchentlich, sommers wie winters, frönt nun am Rande Fürths eine Gruppe teils wundersamer Gestalten – eine Mélange aus Zurückhaltung und Prahlsucht – diesem faszinierenden Spiel mit der Eisenkugel. Und für viele ist es mittlerweile mehr als das. Mit zunehmender technischer Finesse, größer werdendem Spielverständnis und dadurch gesteigertem Ehrgeiz wurde für sie aus dem Spiel ein ernsthafter und ernstzunehmender Wettkampfsport. 

Ambitionierte Quereinsteiger (z. B. Kegler), aber auch einstige, durch langjährigen körperlichen Raubbau in der Dynamik mittlerweile limitierte Wettkampfsportler (insbes. Fußballer) entdeckten über das Boulespiel die wunderbare Möglichkeit, sich trotz ihrer physischen Beschränktheit weiterhin sportlich zu messen und schlossen sich uns an.

[Christof Lang]


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